02/07/2026 0 Kommentare
Sommer, Stille und der Ruf nach Gerechtigkeit
Sommer, Stille und der Ruf nach Gerechtigkeit
# Glaubensimpuls

Sommer, Stille und der Ruf nach Gerechtigkeit
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5,24)
Liebe Lesende, Ferienzeit ist Auftankzeit. Aufatmen, weniger Termine als sonst, Sonne und Weite. Viele von uns sind unterwegs. Wer nicht verreist, der merkt auch hier: Im Sommer ticken die Uhren ein bisschen langsamer. Unser Ort ist überall verkehrsberuhigt und manchmal freut man sich, überhaupt mal ein vertrautes Gesicht zu entdecken, ein Wort miteinander zu wechseln. Das ganze Leben fließt vor sich hin, die Hitze tut ihr Übriges dazu. Auch deshalb passt das Wort aus dem Propheten Amos so gut in diese Wochen: fließendes Wasser und ein Bach, der nicht austrocknet. Amos – der große Prophet der Sozialkritik – hatte immer die Menschen vor Augen, denen das Nötigste zum Leben fehlt. Er wünscht sich eine lebenswerte Gesellschaft – vielleicht haben wir da sogar etwas gemeinsam. Dabei sah damals äußerlich alles gut aus: Es gab Feste, Opfer, Gottesdienste. Der Prophet nun prangert an, dass Reiche ihre Macht ausnutzen und Arme unterdrückt werden. Ungerechtigkeit und korrupte Rechtsprechung sind an der Tagesordnung. Jeder sieht nur das Seine. Der Prophet schreibt es den Menschen ins Herz: Nicht das, was ihr nach außen zeigt, ist entscheidend, sondern wie ihr miteinander umgeht - daran muss sich alles messen lassen. Es geht Amos um Strukturen, Systeme und gemeinsames Leben. Wie sich jede und jeder individuell verhält, dies kann immer nur ein Anfang sein. Wenn ich dieses Wort heute auf mich wirken lasse, wird es ernst. Gottes Wunsch für unsere Welt ist kein gelegentlicher Tropfen Gerechtigkeit, auch nicht ein kurzer Schauer von Gut-Sein. Eher ist es eine Haltung, die nicht aufhört: dabei lebendig, erfrischend und kraftvoll ist. Wie ein Weg, der Hindernisse umspülen kann, und der immer neu Leben möglich macht. Nicht nur auf „die da oben“ zeigen, sondern sich selbst fragen: Wo profitiere ich denn selbst von ungerechten Strukturen? Wie kann ich in meinem Umfeld dazu beitragen, dass es gerechter zugeht? Wo kann und sollte ich mich einmischen, mich Initiativen anschließen, Missstände ehrlich benennen? Der Bach der Gerechtigkeit fließt nicht von allein – er braucht Menschen, die am Fließen beteiligt sind. Sommerwochen könnten dafür Gelegenheiten bieten: ein Gespräch mehr, ein längst überfälliger Besuch und das Nachsinnen. Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen in unserer Kirchengemeinde, wertvollen Austausch mit anderen und vor allem aber erholsame Sommerwochen!
Pfarrerin Johanna Friese
aus dem Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Glienicke Nordbahn: https://ekg-glienicke.de
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