Lebenswendefeiern: Segen für’s Erwachsen-Werden – Interview mit Pfarrerin Ulrike Treu

Lebenswendefeiern: Segen für’s Erwachsen-Werden – Interview mit Pfarrerin Ulrike Treu

Lebenswendefeiern: Segen für’s Erwachsen-Werden – Interview mit Pfarrerin Ulrike Treu

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Lebenswendefeiern: Segen für’s Erwachsen-Werden – Interview mit Pfarrerin Ulrike Treu


Der Kirchenkreis Berlin-Nord-Ost richtet seit mehreren Jahren Lebenswendefeiern für Jugendliche aus. Pfarrerin Ulrike Treu und ihr Kollege Eike Thies, Pfarrer in Charlottenburg, bieten diese Feiern in der Hoffnungskirche in Pankow an. Im Interview erklärt sie, was es damit auf sich hat:

Frau Treu, seit vier Jahren organisiert der Evangelische Kirchenkreis Berlin-Nordost Lebenswendefeiern für Jugendliche. Was ist das genau?


Mit unseren Lebenswendefeiern wollen wir dem Übergang von der Kindheit zum Erwachsen-Werden eine rituelle Form geben.  Diese Zeit ist für Heranwachsende ja ein großer Einschnitt, eine Lebensschwelle. Und im Ausgestalten von Übergängen, von Lebensschwellen sind wir in der Evangelischen Kirche ja Profis, etwa bei Taufe, Hochzeit, Beerdigung. 
Die Lebenswendefeiern sehen wir als Alternative zur Feier der Jugendweihe. Die Idee kommt übrigens von der evangelischen und katholischen Kirche in Halle. https://www.lebenswendefeier.de/halle/ Dort melden sich inzwischen komplette Schulklassen zu Lebenswendefeier an.

Geht es bei der Lebenswendefeier nur um eine Feier an einem Tag?


Nein, von der Anmeldung bis zur Feier selbst vergehen zehn Monate. Die Eltern melden ihre Kinder ab September bei uns zur Lebenswendefeier an. Dann gibt es einige wenige Zoom-Elternabende. Im Januar laden wir Eltern und Jugendliche zu einem Kennenlern-Abend in die Hoffnungskirche nach Pankow ein. Dort wird dann ein paar Monate später die Lebenswendefeier stattfinden. Manche waren ja noch nie oder schon lange nicht mehr in einer Kirche.
Mit den Jugendlichen selbst haben wir insgesamt drei Treffen, jeweils einmal im Monat an einem Samstag. Im März sprechen wir über die Kindheit. Wo komme ich her? Was sind meine Wurzeln? Im Folgemonat steht das Jetzt, der Ist-Zustand, im Mittelpunkt: Wie sieht meine Welt jetzt aus? Der letzte Termin im Mai gehört der Zukunft mit Fragen wie: Was wünschst du dir? Was brauchst du für dich und Deine Zukunft? Außerdem planen wir die Feier gemeinsam mit den Jugendlichen.

Was passiert bei der Lebenswendefeier selbst?


Bei der Feier in unserer Hoffnungskirche in Berlin-Pankow steht der Segen im Mittelpunkt. Ganz wichtig ist uns, dass die Jugendlichen ihre Ideen einbringen können. Dieses Jahr war das zum Beispiel eine Treppe, die wir in den Altarraum gebaut haben, ein Symbol für Emporsteigen, für Erwachsen-Werden. Oben gab es dann einen goldenen Vorhang. An dessen Schwelle wollten die Jugendlichen von uns den Segen empfangen.

Und wo bleibt der religiös-christliche Bezug dabei? 


Den Jugendlichen ist es meist wichtig, dass wir Gott nicht explizit nennen. Aber das fällt uns nicht schwer. Es sind Jugendliche, die religiös nicht sozialisiert sind, aber die durchaus Worte und auch Beziehung haben zu dem, was unbegreiflich zwischen Himmel und Erde geschieht in ihrem Leben. Sie vertrauen, sie hoffen, sie bangen und sie leben in Beziehungen. Wenn wir ihnen dann bei der Feier die Hand auflegen und die biblischen Worten „ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ sprechen - ich kann mir nicht vorstellen dass Gott da nicht dabei ist. Das ist ein sehr starker Moment in der Feier. Danach haben die Eltern die Möglichkeit Wünsche auszusprechen für Ihre Kinder und da hört man nicht selten „und wir wünschen dir dass Gott dich begleitet in deinem Erwachsenwerden.“

Haben Sie für die Lebenswendefeier bestimmte Zugangsvoraussetzungen? 


Wir fragen die Religionszugehörigkeit nicht ab. Die Lebenswendefeier ist kein Gottesdienst. Alle dürfen teilnehmen, unabhängig davon, ob sie getauft sind oder nicht. Meistens ist in der Familie ein kleiner Faden zur Kirche vorhanden. Dennoch – wir sehen die Feier als diakonische Veranstaltung, nicht als missionarische. Wenn wir wieder Menschen in die Kirche zurückholen, ist es gut, aber das ist nicht unser Hauptanliegen.

Ist die Lebenswendefeier eine Konkurrenzveranstaltung zur Konfirmation?


Mit der Lebenswendefeier sprechen wir eine ganz andere Zielgruppe an. Die Konfirmation ist eine Bekenntnishandlung, das steckt schon im Wort confirmare – ich bekenne. Voraussetzung dafür ist die Taufe. Bei der Lebenswendefeier steht der Segen im Mittelpunkt. Segen spenden wir, ohne vorher ein Bekenntnis abzufragen. Er gilt für alle.

Was motiviert Sie als Pfarrerin, Lebenswendefeiern anzubieten?


Wenn die Jugendlichen und ihre Familien nach der Feier verstehen: Kirche ist gar nicht so etwas weltfremdes, sondern hat mit mir und meinem Leben zu tun. Und wenn sich dadurch eine kleine Türe zur Kirche geöffnet hat, haben wir schon so viel gewonnen.
Interview: Christiane Bertelsmann

Weitere Informationen: https://www.lebenswendefeier.de/pankow/anmeldung/

Den Zoom-Link für den Info-Elternabend im September 2026 erhalten Sie per Mail: berlin-pankow@lebenswendefeier.de 

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