Äthiopisches Gemeindeleben nach Berlin bringen – Interview mit Tesfatseyon, FSJ-Kraft aus Äthiopien

Äthiopisches Gemeindeleben nach Berlin bringen – Interview mit Tesfatseyon, FSJ-Kraft aus Äthiopien

Äthiopisches Gemeindeleben nach Berlin bringen – Interview mit Tesfatseyon, FSJ-Kraft aus Äthiopien

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Äthiopisches Gemeindeleben nach Berlin bringen – Interview mit Tesfatseyon, FSJ-Kraft aus Äthiopien

Der Theologe Tesfatseyon Asa Amburko kommt aus Äthiopien und arbeitet noch bis September in der Berliner Kirchengemeinde Hohenschönhausen als FSJler. Wir haben mit ihm über seine Heimatkirche und seine Erfahrungen in Deutschland gesprochen. 

In Äthiopien sind Sie Mitglied in einer der größten protestantischen Glaubensgemeinschaften, der Mekane Yesus Church. Was ist das Besondere an dieser Kirche?

Die Mekane Yesus Church hat zwölf Millionen Mitglieder, davon sind 70 Prozent Kinder und Jugendliche. Sie zählt zu den lutherischen Kirchen, die am weltweit am Schnellsten weltweit wachsen. Ich empfinde unsere Glaubensgemeinschaft als sehr lebendig, uns ist die Gemeinschaft unglaublich wichtig. Kinder treffen sich in der Kirche, sie spielen dort.  Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz: „Serving the Whole Person“, das heißt, wir orientieren uns sowohl an den spirituellen als auch an den physischen Bedürfnissen der Menschen. Wir drücken unsere Liebe zur Gemeinschaft praktisch aus, indem wir Schulen, Gesundheitszentren und Trinkwasserversorgungen bauen sowie Hilfsprojekte durchführen. Gleichzeitig senden wir Missionare in verschiedene Regionen aus, um das Evangelium zu verkünden.

Kommt da das Wasser-Projekt ins Spiel, das der Kirchenkreis Berlin Nord-Ost zusammen mit dem Berliner Missionswerk unterstützt? 

Genau! Kirchenkreis und Missionswerk arbeiten seit vielen Jahren zusammen mit unserer Kirche an einem Wasserprojekt, wobei unsere Mekane Yesus Church ihre langjährige Erfahrung im Bereich Brunnenbau einbringt. Für uns ist so ein Projekt ein sichtbares Zeichen von Gottes Liebe. 

Welche Funktion haben Sie in Ihrer Kirche? 

Ich habe einen Bachelor-Abschluss in Systematischer Theologie vom Mekane-Yesus-Seminar. Nach meinem Studium war ich vier Jahre lang als Koordinator für die Jugend- und Kinderarbeit der Südwest-Synode tätig. Derzeit bin ich außerdem nationaler Koordinator für den Jugendkongress der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC)..

Der Kern meiner Arbeit umfasst die Durchführung verschiedener Schulungen für Jugendkoordinatoren, lokale Kirchengemeinden und Sonntagsschullehrer. Mein Büro hat im August ein eindrucksvolles, einwöchiges Jugendtreffen organisiert, das über 2.000 junge Menschen zusammenbrachte. Zudem bin ich Redakteur für Kinderbücher und überarbeite alle zwei Jahre die Lehrbücher für die Sonntagsschule. Und letztes Jahr habe ich mein Master-Studium in Pastoraltheologie am Mekane-Yesus-Seminar begonnen.

Seit November 2025 arbeiten Sie als FSJ-Kraft in der Gemeinde Hohenschönhausen. Wie kam es zu dem Kontakt und was sind Ihre Aufgaben? 

Der Kontakt lief über das Berliner Missionswerk. Meine Kirche hatte mich ausgewählt, damit ich in Deutschland Erfahrungen in einer Kirchengemeinde sammeln kann. In Hohenschönhausen in der Gemeinde helfe ich dem Kirchwart, aber ich erzähle auch bei Gemeindeabenden über Äthiopien. Bei der Pfarrkonventsrüste auf Rügen war ich auch dabei und habe eine Andacht gehalten, es ging um Macht. Und ich habe zum ersten Mal das Meer gesehen. Das war so beeindruckend, diese Weite!

Welche Unterschiede sehen Sie hier in Deutschland im Vergleich zu Äthiopien? 

In Äthiopien schauen wir aufgrund des sozialen Drucks und der kulturell verankerten Sorge ‚Was könnten die Leute sagen?‘ zuerst auf das Wohl der anderen und stellen unsere eigenen Bedürfnisse hinten an. Deutsche sprechen  ihre Bedürfnisse und Gefühle direkt an. Was mir noch aufgefallen ist: Hier sind alle so still – nicht nur in der Kirche, sondern auch auf der Straße. Ich habe mich am Anfang oft gefragt, warum keiner miteinander redet. In Äthiopien reden wir viel, es ist laut und fröhlich, wir umarmen uns oft.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Menschen hier in Berlin?

Viele sind sehr offen und interessiert, wenn ich von mir erzählen. Einige Menschen aus dem Kirchenkreis waren sogar schon selbst in Arba Minch, meiner Heimatstadt. Die sagen dann oft, dass sie viel von der Kirche bei uns lernen können. Das gefällt mir.  

Weitere Informationen über das Wasser-Projekt des Kirchenkreises und des Berliner Missionswerks: https://www.berliner-missionswerk.de/projekte-spenden/afrika/aethiopien-brunnenbau

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