08/01/2026 0 Kommentare
Kirchen gehören ins Leben
Kirchen gehören ins Leben
# Aktuelles

Kirchen gehören ins Leben
Was tun mit den Kirchenräumen, wenn die Gemeinden die Last für Erhalt und Pflege nicht mehr alleine tragen können? In Stadt und Land wird nach Lösungen gesucht. Denn Kirchen sind Orte der Gemeinschaft mit einem Mehrwert für die Gesellschaft.
Wer eine Kirche betritt, spürt: Hier ist etwas anders. Zeit verlangsamt sich, es ist still, das Licht fällt durch bunte Fenster. Ein Raum außerhalb des Alltäglichen, der zum Innehalten einlädt.
Die Dorfkirchen in Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz sind voller Geschichte und Geschichten. Über Generationen wurden Menschen hier getauft und getraut, wurde um sie getrauert. Der Klang der Glocken gibt dem Alltag seit Jahrhunderten seinen Rhythmus. Kirchenräume bieten einen Mehrwert für die Gesellschaft, der sich finanziell nicht beziffern lässt. Sie sind sakrale Orte, Gedächtnisorte, Kunsträume – und Orte der Gemeinschaft.
Doch die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, und damit auch die finanziellen Mittel. Der Erhalt der etwa 1800 Kirchen in der EKBO (200 in Berlin, 1528 in Brandenburg und 61 in der schlesischen Oberlausitz) ist kosten- und personalintensiv – eine Last, die Kirche alleine nicht mehr tragen kann. Bereits heute unterstützt der Staat den Erhalt mit erheblichen Mitteln.
Drei Wege bieten sich an:
Mit- und Umnutzung: Vor allem in Städten, wo der Bedarf nach Räumen groß ist, öffnen sich Gemeinden für Kulturveranstaltungen, Musikschulen oder soziale Projekte. Das bringt finanzielle Entlastung und bereichert das Gemeindeleben durch Austausch und neue Kooperationen.
Übergabe z.B. in Erbpacht: Für 99 Jahre wechselt die Kirche den Besitzer, mit der Option der späteren Rückkehr zur Gemeinde. Gemeinschaftsräume, Lebensmittelläden, Cafés, Yoga-Retreats, Kletterräume – vieles ist möglich, wenn die Werte der Kirche berücksichtigt werden.
Stilllegung: Die Kirche wird bestmöglich geschützt, aber nicht mehr genutzt. Man wartet auf neue Nutzungsperspektiven – wohl wissend, dass diese Lösung zeitlich begrenzt ist.
Kirchen sind nicht nur sakrale Räume, sondern auch Orte, in denen Platz haben darf, was zum Leben gehört. Um die Kirchen zu nutzen und zu erhalten, dürfen und sollten zukünftig auch ausgefallenerer Ideen entwickelt und mutig ausprobiert werden. Erlaubt ist, was Menschen zusammenführt und mit christlichen Werten vereinbar ist.(EKBO)
Um den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen, hat die Kreissynode Berlin Nord-Ost im Herbst 2025 einen partizipativen Prozess für unseren Kirchenkreis initiiert. Begleitet und gestaltet wird dieser Prozess vom Architektur- und Stadtplanungsbüro subsolar*.
Ab dem Frühjahr 2026 finden in einem ersten Schritt Workshops in ausgewählten Regionen statt – darunter Wedding, Gesundbrunnen, Hohenschönhausen-Weißensee-Heinersdorf sowie die Region An der Mönchmühle und Schönwalde. Im Folgejahr werden weitere Planungsworkshops in anderen Regionen folgen.
In diesen Workshops kommen Vertreter:innen der Kirchengemeinden einer Region zusammen, um gemeinsam Gebäude, Auslastung, Kosten und damit verbundene Fragestellungen zu betrachten. Ziel ist es, mögliche Veränderungen in der Nutzung zu diskutieren – stets mit Blick auf die Bedarfe des Gemeinwesens und die spezifischen Anforderungen der Region. So entsteht eine zukunftsorientierte und nachhaltige Gebäudebedarfsplanungfür den Kirchenkreis.
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