11/03/2026 0 Kommentare
"Da weinte Jesus" (Johannes 11,35)
"Da weinte Jesus" (Johannes 11,35)
# Glaubensimpuls

"Da weinte Jesus" (Johannes 11,35)
Liebe Schwestern und Brüder, nicht nur kurz ist der Monatsspruch für den März, er ruft in seiner Aussage zunächst auch eine gewisse Irritation hervor. Jesus weint? Wie soll uns ein Satz wie dieser zu einer positiven, ermutigenden Begleitung durch den Monat werden? Überhaupt: Wie kann es sein, dass Jesus weint? Er ist doch Gottes Sohn, unser Heiland und Erlöser, eins mit dem Vater, in gleicher Weise allmächtig wie Gott selbst. Schöpferisch und stark hält er die Welt in seinen Händen. Wie kann er dann weinen? Im Zusammenhang der Geschichte, die Johannes erzählt, erweist sich Jesus als Herr über alle Mächte; er bringt den verstorbenen Lazarus aus dem Tod zurück ins Leben. Wie passt das zusammen: sein Weinen und das Wissen, dass er selbst den Tod zu besiegen vermag?
Die Erzählung der Auferweckung des Lazarus ist mehrfach von dieser Spannung durchzogen: Jesus ist Gottes Sohn und zugleich voller Mitgefühl, ganz und gar menschlich in dem Schmerz, den auch er fühlt. Er weint, als er die Trauer der Schwestern Maria und Martha um ihren verstorbenen Bruder miterlebt. Er sieht ihren Kummer, hört ihr Klagen. Gott nimmt Anteil an unserer Trauer. Mensch geworden ist er, um uns in allen Erfahrungen und Gefühlen, in unserem Leid und in unseren Versuchen, uns gegenseitig zu trösten, nahe zu sein. Ganz menschlich weint Jesus und bleibt trotz seiner Tränen Herr des Geschehens. Das Göttliche und das Menschliche in ihm sind unmittelbar miteinander verbunden. Seit der Zeit der Alten Kirche ist diese Aussage in den theologischen Schriften immer wieder mit Nachdruck betont worden und gilt für unser Bekenntnis ebenso heute: In Jesus Christus „wohnen“ göttliche Natur und menschliche Natur zusammen. Eine weitere Spannung, die uns gedanklich herausfordert, ist diese: Als Martha nach dem Tod des Lazarus von ihrer Hoffnung auf die Auferstehung der Toten spricht, sagt Jesus zu ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben” (Vers 25). Vom Schmerz und der Trauer über den Verlust ihres Bruders jedoch hat Jesus die Schwestern nicht verschont. Lazarus ist wahrhaftig gestorben und begraben, als Jesus nach Betanien kommt. Das einzigartige Wunder an Lazarus wird von Jesus schließlich vollbracht, vier Tage nach dem Tod. Doch die Begegnung mit schwerer Krankheit und mit Tod, die bedrückenden Gefühle von Verlust und Trauer: Maria und Martha haben diese Erfahrungen durchlebt und durchlitten. Sie blieben ihnen und bleiben auch uns nicht erspart. Das Leben, von dem Jesus spricht, ist mehr als das leibliche, physische Leben. Es ist die Gemeinschaft mit Gott, die Geborgenheit in seiner Liebe. Im Glauben haben wir Anteil am neuen Leben, das selbst der Tod nicht zerstören kann. Die Verbindung mit Gott, in Liebe gegründet, reißt nicht ab, wenn wir sterben.
Unser Leben bleibt nicht frei von traurigen, bedrückenden, auch erschütternden Erfahrungen. Gerade im Weinen Jesu aber können wir entdecken, was uns dabei Trost schenken will: Wir werden von Gott gesehen. Mit allem, was wir erleben, werden wir von Gott gesehen und zutiefst verstanden. Sein Mitgefühl ist so groß, dass er selbst weint, wenn der Tod unserem Leben Wunden zufügt oder ein Unglück Unschuldige ins Verderben reißt. Unser Leiden lässt Gott nicht kalt, im Gegenteil. Er liebt seine Schöpfung. Soviel bedeutet sie ihm, dass er in Jesus Mensch wurde, um diese Liebe sichtbar zu machen.
Was für ein großartiger Vers der kurze Monatsspruch ist, wenn wir dies alles mitdenken! Das Wesen unseres Gottes ist, dass er mitfühlt und genau weiß, wie es mir geht – ein Gott, dem mein Leben, meine Erfahrungen nicht gleichgültig sind; der nachempfinden kann, was ich fühle. Was könnte tröstlicher sein, wenn wir in einer schweren, vielleicht trauernden Lebensphase sind! Wenn wir dann wissen, dass Gott uns sieht und hört, unsere Gefühle kennt und den Schmerz mit uns aushält. Die Tränen Jesu zeigen: Gott will nicht nur Zuschauer unseres Lebens sein, sondern mit uns gehen und uns begleiten. Im Satz „Da weinte Jesus” leuchtet Ermutigung auf und Stärkung für unser Vertrauen auf Gott. Er, der unvergängliches Leben schenkt, ist uns in Liebe zugewandt. Er nimmt uns ernst in allem, was uns bewegt und schenkt Hoffnung über den Tod hinaus.
Eine von Zuversicht erfüllte Passions- und Osterzeit wünscht
Pfarrerin Dr. Anne-Kathrin Finke
aus dem Gemeindebrief der Kirchengemeinde Heinersdorf: https://www.gemeinde-heinersdo...
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