Veröffentlicht von Bettina Berndt am Fr., 15. Mai. 2020 14:06 Uhr

„Als erstes haben wir die Unterscheidung zwischen Wochentag und Wochenende aufgehoben“, höre ich momentan häufiger. Es gibt Mama-Tage und Papa-Tage, und wer gerade nicht auf die Kinder aufpasst, arbeitet. An welchem Tag und zu welcher Uhrzeit auch immer. Corona-Alltag. Es ist immer noch keine gesellschaftliche Lösung für die Kinderbetreuung da und das lang diskutierte Recht auf Homeoffice wurde zur Pflicht zum Homeoffice. Es bewahrheitet sich, was früher schon befürchtet wurde: der Trend geht zum entgrenzten Arbeiten, immer im Einsatz, Klinke-in-die-Hand-geben zwischen Arbeit am Schreibtisch und Betreuungsarbeit. Sicher, im Krisenfall geht es eben nicht anders. Aber geht das auf Dauer gut? Immer unter Strom und im Hinterkopf die Last der Aufgaben, die noch erledigt werden müssten. Willkommen im Hamsterrad, denn so richtig fertig ist die Arbeit doch eigentlich nie!

Mir macht es Sorge, was den Eltern da aufgeladen wird! Denn ich jedenfalls merke: mir tut es nicht gut, wenn alle Tage gleich intensiv sind und ineinanderfließen. Ich brauche die Abwechslung von Arbeit und Entspannung, von Herausforderungen und regelmäßig unver-planter Zeit zum Auftanken. Zeit ohne Druck und mit freiem Kopf. Wir machen als Familie jetzt, so oft es geht, wenigstens einen Tag in der Woche alle zusammen frei. Und das ist so kostbar!

Schon in der Bibel lesen wir davon, dass es gut ist, einen Tag in der Woche auszuruhen. Da macht sogar Gott eine Pause. Im ersten Buch der Bibel heißt es:

„Gott segnete den siebten Tag und nannte ihn heilig. Denn an diesem Tag ruhte er aus von all seinen Werken, die er geschaffen hatte.“

Ich lese diese Verse nicht als autoritäre Vorschrift, sondern als weise Erfahrung: ein geschützter Tag tut gut! Ein Tag, der mich mir selbst nahe bringt und den Menschen, die ich gern hab. Ein Tag, der mir ein Segen ist. Ein Tag, an dem ich nichts erschaffen und produzieren muss, nicht funktionieren, sondern einfach nur genieße und mich durch und durch lebendig fühle.

Aber was macht man denn nun an so einem freien Tag? Seit letztem Sonntag feiern wir in unserer Kirche wieder Gottesdienst. Manche von uns finden dort so eine Zeit zum Seele baumeln lassen: einen Moment zum Innehalten, für Gemeinschaft (mit Abstand), zum Nachdenken, zum Ruhe finden, zum Genießen.

Vielleicht ist es für Sie nicht der Gottesdienst, der Sie auftanken lässt, sondern ein ganz anderes Ritual: vielleicht ein gemeinsames Frühstück ganz in Ruhe, ein Buch auf dem Balkon, ein Eis essen, ein Bad nehmen, Fußball spielen, ein Mittagsschlaf? Vielleicht ist es nicht mal der Sonntag, der bei Ihnen Ruhetag ist. Wann und wie auch immer: ich wünsche Ihnen, dass trotz der momentan erschwerten Bedingungen auch für Sie ein heiliger Ruhetag machbar ist! Ganz so, wie er Ihnen gut tut und ihre Seele baumeln lässt.

Pfarrerin Susanne Öhlmann

Kategorien Lichtblicke