Veröffentlicht am Fr., 17. Apr. 2020 12:15 Uhr

Kennen Sie noch den Song von Simon and Garfunkel? In diesen Tagen muss ich manchmal an ihn denken. Er beschreibt so gut, wie ich unser Leben gerade wahrnehme:
Alle zu Hause. Lauter kleine Inseln. Jeder und jede für sich. Lebensformen in Reinkultur.
Wo der Austausch auf neutralem Boden – bei der Arbeit, im Supermarkt, auf dem Spielplatz – wegfällt, fallen unterschiedliche Lebensrealitäten und Bedürfnisse so stark auseinander wie wohl noch nie:
Manche, die in einer WG leben, sehnen sich danach, endlich wieder einmal fünf Minuten die Küche für sich allein zu haben ein – und mancher, der allein lebt, sehnt sich nur danach, endlich wieder einmal mit anderen zusammen zu essen.
Manche sind mit ihren verrückten Videos gegen die Langeweile zu Internet-Stars geworden – und manch müde Eltern wünschten sich ein bisschen Langeweile in ihr Leben zurück.
Manche Schüler, die sonst in der Bibliothek lernen, weil zuhause zu viel Trubel ist, sehnen sich nach offenen Schulen, wo sie ungestört für ihre Prüfungen lernen können – und manche Kita-Kinder lieben die viele Zeit zuhause mit ihren Eltern.
Manche bangen um ihre Existenz und sehnen sich nach Aufträgen – und manche sehnen sich nach einem freien Tag, weil sie seit Wochen viel zu viel system-relevante Arbeit verrichten.
Ich vermisse die Begegnungen mit Menschen, die anders leben, fühlen und denken als ich. Weil ich so tief in mein eigenes Leben eingetaucht bin, fällt es mir schwerer mich in andere hineinzuversetzen, denen es gerade ganz anders geht. Manchmal bin ich richtig überrascht, welche Probleme andere gerade beschäftigen. Und muss aufpassen, dass ich ihre Schwierigkeiten nicht abtue, weil sie gerade so völlig verschieden von meinen eigenen sind.
In meinem Inselleben ist mir in den letzten Wochen jedenfalls klar geworden: ich bleibe gerne zu Hause, wenn es hilft, dass wir schneller wieder zur Normalität zurückkehren können und Menschenleben gerettet werden. Aber meine Insel soll nicht zum abweisenden Felsen werden, an dem ich innerlich verhärte und nur noch um mich selbst kreise. Auch wenn ich auf der Insel meines Lebens festsitze, möchte ich Geschichten von anderen Inseln hören, in Kontakt bleiben, möchte mitfühlen und anerkennen, dass unsere Themen sich gerade manchmal sehr unterscheiden. Ich möchte Brücken bauen, von meiner Insel zu anderen, virtuell, per Telefon und von Balkon zu Balkon. So wie es in einem Lied in unserem Gesangbuch heißt:

„Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen. Gib mir den Mut zum ersten Schritt.

Lass mich auf deine Brücken trauen. Und wenn ich gehe gehst du mit!“

Die Pfarrerinnen der Heinersdorfer Kirche sind weiterhin für alle Fragen und Anliegen erreichbar:

Pfarrerin Dr. Anne-Kathrin Finke 
Telefon: 0172 / 289 45 57; a-k.finke@kirche-berlin-nordost.de

Pfarrerin i.E. Susanne Öhlmann
Telefon: 0173 / 875 81 33; s.oehlmann@kirche-berlin-nordost.de

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Foto: pixabay

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