Veröffentlicht am Do., 6. Dez. 2018 00:00 Uhr

Liebes Weihnachtsfest,

sechzig Mal haben wir jetzt schon zusammen gefeiert. Manchmal mit Schnee. Wir saßen zusammen in kalten oder überfüllten Kirchen. Wir haben zuviel Gänsebraten gegessen. Wir haben Lego zusammengesetzt, Schwiegermutters Kekse gepriesen und uns für die sonderbarsten Geschenke bedankt. Apropos Geschenke: als wir uns dem Konsum verweigerten, haben wir nichts geschenkt und uns heimlich darüber geschämt. Später haben wir zuviel geschenkt, aber dafür wenigstens in Zeitungspapier verpackt.
Wir haben um echte Kerzen gekämpft und sind Lametta-Kompromisse eingegangen. Wir haben uns im Rhythmus der alten Lieder gewiegt und die alten Worte haben uns Tränen in die Augen getrieben. Wir haben tapfer die schiefen Blockflöten ertragen und aus volle Kehle Oh du fröhliche gesungen. Egal 
wie schief.
Wir haben Milde geübt beim Anschauen vieler Weihnachtskrippen, sind zusammen im Dunkeln durch den Wald gelaufen und  haben nach der Stille gegriffen.

Liebes Weihnachtsfest, wir waren nie heil - die Welt lag im Krieg, ich hatte Kummer. Du kamst trotzdem. Mama starb, Papa starb, du kamst trotzdem. Die Wohnung war nicht fertig, alles nur notdürftig mit Lichterketten behängt, du kamst trotzdem.
All die Jahre habe ich mir gewünscht, an Heiligabend mit allem fertig zu sein. Aber dann blieb die Küche ungeputzt, die Gardinen nicht gewaschen und ich war nicht beim Friseur. Die Kekse sahen nicht im Entferntesten so aus wie im Backbuch. Das Weihnachtsgedicht unter dem Baum wurde nicht  gelesen, und das Weihnachtsoratorium habe ich beim Aufräumen gehört. Du  kamst trotzdem.
Das mag ich an dir. Du setzt meiner Welt deinen Glanz entgegen und du gehst an Orte, an die ich mich nicht zu gehen traue. Du bist wie ein Leuchtturm in den Zeiten. Einer wacht über die Nacht. - Lass uns das 
feiern!

Ihre Pfarrerin Christine Franke

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