Veröffentlicht von Bettina Berndt am Mo., 5. Feb. 2018 11:55 Uhr

„Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht: denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ Josua 1, 9

Der Hinweis auf den Spruch des Josuabuches steht auf dem Messingschild am Eingang des neuen Boardinghouses in der Handwerksschule in Uraa am Kilimanjaro. Bis zu 80 Schülerinnen und Schüler sollen darin in Zukunft Unterkunft finden, während ihrer zweijährigen Ausbildung in einem Handwerk. Tischler werden im Augenblick wenige ausgebildet, weil das Abholzverbot im Regenwald des Naturschutzparkes Kilimanjaro Wirkung zeigt und statt des kostbaren Tropenholzes zukünftig mehr metallverarbeitend gearbeitet wird. Wir reagieren als Schule darauf, indem wir in den nächsten Wochen einen neuen Ausbildungszweig eröffnen: Metallverarbeitung.

Um dies zu ermöglichen, konnte die Berliner Delegation aus den Kirchenkreisen Tempelhof-Schöneberg und Berlin Nord-Ost ein „Startkapital“ von gut 5000 € vor Ort übergeben. Davon werden entsprechende Werkzeuge und Lehrmaterial gekauft. Die Schulleitung vor Ort ist im Gespräch mit der Aufsichtsbehörde über den Lehrplan und ist darum bemüht, einen guten Lehrer zu verpflichten, der dann, wie die anderen 10 Lehrer, aus den Erträgen der Schule bezahlt wird. Zu Schneiderinnen lassen sich gegenwärtig auch wenige ausbilden.

Die Initiative des Staatspräsidenten Magufuli, eine Einfuhrsperre für den Import von Textilien aus dem Ausland nach Tansania zu verhängen, war bisher nicht wirklich erfolgreich. Dennoch wird schwer daran gearbeitet, die eigene Produktion im Lande wieder anzukurbeln. Das ist dringend notwendig bei ca. 50% Arbeitslosigkeit im Lande. Außerdem verstehen es die Tansanianischen Schneiderinnen wundervolle Kleider zu fertigen – wir haben uns einige davon mitgebracht.

Absolut begehrt ist die Ausbildung zu Elektrikerinnen und Elektrikern. Die Stromversorgung wird immer besser, auch wenn es dem Reisenden in das Chaggaland am Kilimanjaro irgendwann fehlen wird, der plötzliche Stromausfall und die „Notfallbeleuchtung“ mit Petroleumlampe oder bei Kerzenschein. Immer ein kleines Stück Abenteuerfeeling. Maurer werden im Übrigen auch in Machame, der Region, in dem das Projekt angesiedelt ist, gebraucht.

26 Auszubildende nahmen ihr Abschlusszeugnis anlässlich der Einweihung unseres Internatsgebäudes in einem feierlichen Gottesdienst in Empfang. Eine aufregende Sache für die jungen Leute und ihre Familien, zumal gleich 3½ Bischöfe anwesend waren: Altbischof Dr. Erasto Kweka, der im Jahre 2000 das „Mutterhaus“  des Projektes eingeweiht hatte, Altbischof Dr. Martin Shao, der im Jahre 2010 das „Urasa- Haus“ (im Andenken an Pastor Urasa, der nach 5 Jahren Gemeindedienst in Berlin-Schöneberg als Diakoniereferent nach Tansania in die Nordlandeskirche zurückkehrte und der Begründer des Uraa Vocational Training Centres ist) und Bischof Dr. Frederick Shoo, der Vorsitzende der Tansanianischen Bischofskonferenz, der über Jahre hindurch nicht nur mit uns befreundet, sondern auch dem Projekt verbunden ist. Er weihte am 17. Januar dieses Jahres das neue, zweistöckige Haus ein, das wirklich wunderschön geworden ist und den jungen Leuten beste Bedingungen für eine ihre Zukunft fördernde Ausbildung bieten wird! Die Predigt zur Einweihung hielt der stellvertretende Bischof Dr. Saria.

Alle Erwähnten, dazu die Vertreter aus der Schule (Direktor) und aus der Kommune waren erfüllt von Dankbarkeit für die kräftige und treue Unterstützung aus Deutschland, die nun schon ein Viertel Jahrhundert währt: 110.000 € haben unzählige Spender diesmal aufgebracht, für ein privat finanziertes Projekt eine gewaltige Summe! „Neema- Hostel, Gnade Herberge“ – heißt das neue Haus. Ausdruck der Dankbarkeit über dieses kleine Wunder, dass in nur 3 ½ Jahren von der Schaffung der Fundamente bis zum voll funktionsfähigen Haus, geschehen ist. Wir danken ebenfalls unseren Spenderinnen und Spendern, die in großer Treue diese Arbeit fördern. Gerade in Zeiten, da Menschen ums wirtschaftliche Überleben unsägliche Wege auf sich nehmen, ist es so sehr wichtig vor Ort Zukunftsperspektiven zu eröffnen – und das gelingt mit dem U.V.C.T. schon seit 25 Jahren!

Mein letzter Dank soll allerdings, ungeschmälert des oben Gesagten, den Partnern in den lutherischen Kirchengemeinden vor Ort gelten, in Nkwatira, Kyeeri, Uraa und Uswaa. Ohne ihr kräftiges Mittun wäre die Verwirklichung des Hauses überhaupt nicht denkbar geworden. Freiwilligeneinsätze beim Bau (der Auftakt war ein Sonnabend mit ca. 70 Gemeindegliedern, die den Baugrund geebnet und an weiteren folgenden Tagen das Fundament mannshoch ausgehoben haben), fachkundliches Handwerk als Eigenbeitrag der Maurer und Elektriker beim Bau des Hauses und ebenfalls viele Kollekten und Spenden, haben den aus Deutschland bereitgestellten Finanzumfang noch einmal nahezu verdoppelt.

Ein allerletzter Dank gilt den neun Mitreisenden, die mit fachlicher Beratung und leidenschaftlichem Engagement für die Sache in den drei Wochen alles gegeben haben, was nötig war: Geduld in stundenlangen Verhandlungen, Interesse in zahlreichen Gesprächen und Interviews, Herzlichkeit in den Begegnungen – dazu ihren Jahresurlaub und die selbstgetragenen Reisekosten. Wahre Christenleute unterwegs im Namen des Herren!

Superintendent Martin Kirchner, Evangelischer Kirchenkreis Berlin Nord-Ost

 

 

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