Veröffentlicht von Bettina Berndt am Di., 11. Okt. 2016 16:11 Uhr


Die Anzahl der fremdsprachigen Gemeinden vor allem in Berlin wächst ständig. Zugleich ist die Frage der Gemeinschaft mit diesen Gemeinden eine der größten Herausforderungen für die Ökumene bei uns. Hier liegt riesiges, weitgehend noch nicht genügend gehobenes Potential. Wir arbeiten an vielen Stellen zusammen. Aber wirklich weit gekommen sind wir noch nicht. Je nach Ortslage ist die Situation unterschiedlich.

Was können wir in der EKBO dafür tun? Sowohl unter missionarischen wie auch unter ökumenischen Gesichtspunkten müssen wir uns stärker für unsere christlichen MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund öffnen. Gleiches gilt freilich auch umgekehrt für die Gemeinden anderer Sprache und Herkunft, denn schon die zweite und dritte Generation dieser Gemeinden ist in Deutschland ganz anders verwurzelt, auch sprachlich, als es die erste war. Vor diesem Hintergrund ist ein Nebeneinanderher-Leben von EKBO und evangelischen Gemeinden mit Migrationshintergrund keine Dauerlösung. Unsere kulturellen Unterschiede wird man nüchtern betrachten müssen. Man kann sie nicht als quantité négligeable abtun. Wir leben unseren Glauben faktisch immer in einem bestimmten Kulturkontext. Das gilt auch für unsere jeweilige Theologie.

Aber unsere Kultur prägt zwar unseren Glauben. Sie konstituiert ihn aber nicht. Denn unseren Glauben konstituiert allein Gott. Die Frage ist vielmehr, wie wir uns mit unseren kulturellen Unterschieden gegenseitig bereichern können, ohne dass sie in einer Art und Weise trennend bleiben, wie es aus dem Evangelium eben nicht folgt.

Meine Vorschläge folgen denen der EKD: Wir müssen gemeinsam neue Gemeindeformen entwickeln, die Integration der christlichen MigrantInnen verstärken, die Ausbildung ihrer Geistlichen stärker profilieren und für entsprechende Anerkennung der Abschlüsse sorgen und verstärkt christliche MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund einstellen. Wir haben uns
stärker gemeinsam um die Jugendlichen aus den Gemeinden anderer Sprache und Herkunft zu kümmern (die deutsche Wirtschaft ist hier weiter als die evangelische Kirche!). Es gilt, eine kultursensible Seelsorge auszubauen. Das missionarische Potential der fremdsprachigen Gemeinden ist stärker zu nutzen. Wir müssen gemeinsame nachhaltige Strukturen schaffen.
Gern will ich mit Ihnen gemeinsam diese Dinge voranbringen.
Dr. Christof Theilemann, Landespfarrer für Ökumene und Weltmission im Berliner Missionswerk

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