Veröffentlicht am Fr., 26. Feb. 2016 15:00 Uhr

The „Tree Bischop of Tansania" oder der „Jhonny Appleseed vom Kilimanjaro“

Beide Spitznamen sind ein und demselben eindrucksvollen Theologen und Pfarrer der tansanianischen Kirche zugedacht: Dr. Frederick Shoo. Warum? Weil er, der Bischof, in seiner Landeskirche am Kilimanjaro die Gemeinden aufgerufen hat, mit einer umfänglichen Baumpflanzaktion den Folgen der Abholzung des Kilimanjaroregenwaldes entgegenzuwirken. Wie der legendäre Jhonny Appleseed (Johann Apfelkern) einst durch Amerika gezogen sein soll um unentwegt Apfelbäume als Zeichen der Hoffnung und des Lebens zu pflanzen, so wird auch Dr. Shoo nicht müde, die Verpflichtung einzufordern, 1,5 Millionen neue Bäume zu pflanzen – ca. 50.000 sind es bereits, die Konfirmandenfamilien und andere gesetzt haben, 10 Stück während der Konfirmandenzeit. Doch neben seinem Einsatz für eine nachhaltige Umweltpolitik ist es vor allem das Interesse an sozialen und politischen Fragen, das Bischof Shoo zu einem leidenschaftlichen Diskussionspartner und begnadeten Kirchenführer macht.

Am 31. Januar 2016 ist er in einem vierstündigen Gottesdienst von seinem Vorgänger Bischof Malasusa als „PresidingBischopof Tansania“, als Vorsitzender der Bischofskonferenz der zweitgrößten lutherischen Kirche der Welt in sein Amt eingeführt worden. Es war uns eine Ehre, zu diesem Gottesdienst und dem anschließenden Empfang eingeladen gewesen zu sein, kennen wir Frederick Shoo doch schon seit der Zeit als er Lehrer in der Bibelschule in Mwika war. Als stellvertretender Bischof hatte Dr. Shoo den Kontakt von der Kirchenleitung zum Aufsichtsrat unserer Handwerksschule (U.V.T.C.) zu halten. So war er auch einmal zu Besuch in unserer Gemeinde in Berlin und hat in der Weddinger Stephanuskirche seinen 50. Geburtstag gefeiert.
Bischöfe und stellvertretende Bischöfe aus ganz Tansania waren anwesend, der Präsident des lutherische Weltbundes, der auch die Festpredigt hielt, sowie eine schwedische Bischöfin und der Vorsitzende des Rates der EKD, Bedford-Strom. Der stellvertretende Staatspräsident, selbst ein Moslem, hielt eine Ansprache, in der die Rolle der Kirche würdigte, wie sie in vielfältiger Weise sozial vermittelnd in die Gesellschaft einwirke.
Ca. 5000 Gottesdienstteilnehmer in der Kirche und draußen vor der Tür verfolgten die feierliche Einführung. Chöre aus Dar es Salam und Moshi sangen, ein Posaunenchor aus Feucht in Franken spielte auf und der Jubel der Gläubigen nach dem Ja-Wort zur neuen Aufgabe wird jedem, der dabei war noch lange in Erinnerung bleiben.
Mit unserer kleinen Delegation aus Berlin wurden wir eine Woche später von Dr. Shoo und seiner Frau Janett in ihrem Privathaus empfangen und konnten das Glückwunschschreiben der Berliner Kirche übergeben. „Und, haben Sie etwas Ehrfurcht vor der neuen Verantwortung?“ fragte ich den Bischof. „Sehr große!“ antwortete er – eine gleichermaßen demütige wie sympathische Einschätzung des Bischofs.
Superintendent Martin Kirchner

Kategorien Ausbildungsprojekt am Kilimanjaro