Himmelfahrt

„Himmelfahrt“ – Fremdkörper im Glauben des heutigen Menschen?



Kirchen der verschiedensten Konfessionen haben in besonderer Weise am Himmelfahrtstag das bekannte Problem: Wie lässt sich die Feier dieses Festes gegen die säkulare Besetzung dieses Tages behaupten?  Himmelfahrt? Da ‚fahren’ die Kremser mit den „Vätern“, da ‚fahren’ Reiseunternehmen mit günstigen Tarifen, da ‚fährt’ man zu Besuch irgendwo hin. Wann gibt es wieder eine so günstige Möglichkeit zum ‚Fahren’ wie am Himmelfahrtstag?
Wir brauchen Charakter, um unser Fest nicht dem allgemeinen Fahr- und Reisebedürfnis zu opfern.
Ursprünglich gehörte Himmelfahrt zum Osterfest, erst um 370 n. Chr. wurde es ein eigenständiges Christkönigsfest.1)  Für das Verständnis von Himmelfahrt ist  zu betonen, was der Alten Kirche mit der Verbindung von Ostern und Himmelfahrt wichtig war: es ist der Auferstandene, der Auferstandene in seiner nicht - definierbaren Beschaffenheit, der „auffährt“. Der geistleibliche Christus war es, der an diesem Tag vor den Augen der Jüngerinnen und Jünger in eine andere Dimension, die wir den „Himmel“ nennen, auffuhr.  Juri Gagarin meinte einmal feststellen zu sollen, er habe in seinem Raumschiff trotz größter Bemühung keinen Gott entdecken können, weil Juri Gagarins Weltbild es nicht zuließ, dass die Himmelfahrt eines Raumschiffes eines und die Himmelfahrt des Auferstandenen das ganz andere ist. Wie die  Beschaffenheit und Verfassung des Auferstandenen jenseits unserer Erfassbarkeit liegt, ist der Ort, zu dem ER aufgefahren ist, jenseits unserer Erfassbarkeit. Das gilt unabhängig von unserem Standort, im Raumschiff ebenso wie unten auf der Erde.
Der Himmel, in den er eingegangen ist, ist Schöpfung Gottes wie der sichtbare Himmel. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Himmel ist im Hebräischen immer Mehrzahl, also eigentlich „die Himmel.“ In den bei der Schöpfung gegründeten Gotteshimmel ist Christus gegangen.
Der Himmel Gottes (englisch: „heaven“) grenzt an unseren  erfahrbaren Himmel (englisch: sky). Der heaven ist  „hinter“ oder „oberhalb“ des sky, der eine geht in den anderen über.
Wenn ich zu Christus bete, dann verbinde ich damit die Vorstellung, dass ER wie der Vater „im Himmel“ ist, jenseits und doch nahe, sozusagen hinter dem Haus meines Ichs.  Himmelfahrt feiern, heißt darum, die Andersartigkeit des Gotteshimmels fest zu halten, in den ER eingegangen ist und gleichzeitig zu unterstreichen, dass der unbeschreibliche Himmel auch der nahe Himmel ist.

                                    Pfr. em. Dr. Ulrich Kappes


1) Vgl. dazu Siegfried Bergler, Von der Erde zum Himmel retour, Meditation zu Apg. 1, 3.4.(5-7).8-11, in: Predigtmeditationen im christlich – jüdischen Kontext, Perikopenreihe II, Wernsbach 2008, 196 – 200,S.196)
2) Feststellung der zeitlichen Verknüpfung durch Peter von der Osten – Sacken, Der Gott Israels als Hirte seiner Herde, Betrachtung zu Miserikordias Domini, in: Der Gottesdienst im jüdisch – christlichen Dialog, Gütersloh 2009, 119 – 122, S.120.

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